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Zeichenfabrik

Blog / Aktuelles aus der Zeichenfabrik

Lust auf Verbindung?

Autor: Hoa Luo
Lust auf Verbindung?

Im 21. Jahrhundert leben wir von der Vernetzung und dem Netzwerk. Aber wie können wir das visualisieren? Unser Dozent ist einer der spannendsten Forscher und Erfinder auf dem Gebiet der Ornamente und Muster, den ich kennen lernen durfte. Nach dem Interview in seinem Atelier in der Westbahnstraße hatte ich nicht nur einen systematischen Einblick in sein Schaffen bekommen, sondern konnte auch die Ränder und Fransen seiner Arbeit betrachten. Das Spielen mit Grundformen und das bloße Erblicken von Mustern und Ornamenten ist in seiner Aktualität wichtig. Es ist eine Möglichkeit zu zeigen, dass unsere Grundformen weltweit dieselben waren. Muster und Ornamente bringen Verbindungen an die Oberfläche und befähigen zum Verständnis, auch andere Kulturen in ihrer Schönheit zu begreifen.

Atelier_Westbahnstrasse

Das Ineinander und Zueinander

Werner Van Hoeydonck beschreibt Ornamente und Muster in ihren Einzelteilen und deren Summe mit dem Eros. Die Liebe und die Annäherung, die sich innerhalb jeder Einzelform darstellen lassen und sie zusammenhalten, aber auch das Nebeneinander von Einzelteilen machen das tatsächliche Muster aus. Der Fluss, der entsteht, wenn einfache Hypothesen in die Praxis kommen. Werner hat z.B. ein Design entwickelt, das von einem klassischen Muster ausging, welches aus der Wiederholung der gleichen Formen entsteht und eine gerade Linie zum Schwingen bringt: immer mehr und mehr, während gleichzeitig ein Punkt innerhalb des Musters vergrößert wird. Das Ergebnis findet sich in seinem Design für eine Schokoladen-Verpackung.

»Was passiert mit einem Muster, wenn ich einfach alle geraden Linien mit einer Kurve variiere?« *

Schokodesign

Konstruktion, Animation und Mathematik der Annäherung

Kann man aus Mustern und Ornamenten durch das Zusammenspiel einzelner Elemente auch Theorien aufzeigen, die den Menschen versinnbildlichen? Aus den Grundformen lässt sich die Entstehung von Leben ableiten, die Verbindungen zeigen aber auch erotische Beziehungen zwischen den Formen. Das Dazwischen des Dahinters. Formen stehen nebeneinander und drängen ineinander. Eros als Ausdruck. Und die Spiralen - immer ein ineinander Eindringen und aufeinander Zuwachsen - sind dynamische Bewegungen.

»Ich arbeite aus dem Gefühl heraus.« *

WernerVanHoeydonck1

Das Experimentieren mit Zeichen und Formen dient der Verzierung, beinhaltet aber auch Identität und Kultur. Die Ursprünge des Ornaments verschreiben eine andere Lesbarkeit der Geschichte und deuten auf das Bedürfnis des Menschen nach Schmücken und Verzieren hin, verweisen auf die Semantik hinter dem Zeichen.

Die Systematik der Grundformen

Welche Grundformen werden behandelt? Von der einfachen und doppelten Linie, Mandorlen, Quadrate und Dreiecke, Mäandern, Flechtwerke, Rosetten und Wellenlinien. Ein Muster entsteht aus einer natürlichen Bewegung. Der Kreis ist aus der Linie entstanden, die höchst vollkommene Form. Im Kurs geht es nicht nur um das Erlernen der Grundformen der Geometrie, sondern auch um das Zeichnen der Liebe mithilfe von Geometrie. Wieder eine Methode der Natur: die mathematische Betrachtung. Ein Beispiel dafür sind zwei Kreise, die sich umarmen, die Blume des Lebens und die Mandorlen (die Form innerhalb der Schnittpunkte zweier Kreise).

Das Umfassen von Chemie und Physik, Geometrie und Geschichte, oder unsere Zellen. Für Werner eine Geometrie der Liebe - eine Geometrie der Vereinigung.

»Im Muster sollte eine Struktur erkennbar sein.« *

Von der Architektur ins Detail

Werner ist 1969 in Belgien geboren und lebt und arbeitet in Wien. Als Architekturstudent in Gent hat Werner intensiv das Schaffen von Otto Wagner studiert (Buchempfehlung: Otto Wagner. Bd.3. Die Einheit der Kunst. Weltgeschichte der Grundformen. Hrsg.: Otto Antonia Graf) und die alten Baukünste befragt. Daraus entstand die Faszination für und der Blick hinter die Zeichen. Seine Spezialisierung ab 1993 auf die Architekturgeschichte und Ornamentik bei Prof. Dr. Otto Antonia Graf an der Akademie der bildenden Künste brachte ihn zunächst nach Wien. Kurz darauf gründete er in Antwerpen das Architekturbüro Tek7 Architekten, mit dem er ca. 100 Projekte realisieren konnte. Da Architektur, Muster und Ornamente fundamentale Bausteine seines Lebens bilden, ist er aus Liebe zu diesen Künsten wieder nach Wien zurückgekehrt und gründete dort im Jahr 2013 Ornamental Art & Design.
Werner entwickelt Muster und ornamentale Designs für verschiedenste Zwecke, experimentiert mit Siebdruck und digitalen Drucktechniken, recherchiert über Proportionen und heilige Geometrie, gibt Zeichenworkshops über die Ursprünge des Ornaments und arabische Muster. Sein Leben wird getrieben vom Ornament und seinen Möglichkeiten, sich künstlerisch auszudrücken.

Mehr über Werner Van Hoeydonck

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Die größten gemeinsamen kleinen Grundformen der Welt

»Erstaunlich, dass man überall die gleichen Motive findet.« *

Ausdruck von Eros, von Liebe, von Ergriffenheit: Wenn ein/e KünstlerIn voll Liebe ist, dann streicheln die Augen die sichtbaren Formen, als ob sie Hände wären. Die Ergriffenheit, dieses Streicheln setzt sich in einer liebevollen oder sinnvollen Struktur der Ornamentik um. Die Liebe hält zusammen wie Moleküle, die sich in gegenseitiger Abhängigkeit formen, nach Vereinigung streben. Hinter dem Ornament steht die Abstraktion der Naturkräfte, der Schwingungen, der Kurven. Eine schöne Ausdrucksform der Vereinigung ist die sogenannte Blume des Lebens. Die Geometrie spielt dabei eine allumfassende Rolle. Ob in China, Südamerika oder in Europa: Die verschiedenen Kulturen der Welt teilen sich die gleichen Grundformen, aus denen Muster verschiedenster Art entstanden sind.
Ein Verständnis dieser Grundformen und ihrer Prinzipien, die Wiedergabe der Gestaltungsprinzipien der Natur sowie des Kosmos als Form, die Erweiterung der grammatischen Formen in der Palette der Zeichnung und die Liebe zum Ornament sind zentral für Werners Zugang.

Von einer Form in die Andere

Auch jüngere KünstlerInnen sind in ihrem Design stark beeinflusst von Formen, Mustern und Ornamenten. Grafiken werden wiederholt, Pattern werden gebraucht. Doch zurück zu den Ursprüngen: Wie in jeder Kunst ist es wichtig, die Grundlagen zu lernen. Damit erhalten wir ein besseres Verständnis der Verfremdung.

Werner möchte ein allgemeines Verständnis zu diesem Thema generieren und aufzeigen, dass Ornamente und Muster Kulturen und Völker verbinden und eine internationale Sprache sind. Die Prämisse mit den gleichen Grundformen, in einem Tempel, auf eine Vase - das ist die große Verbindung von uns allen. Dazu arbeitet Werner an einem Überblick zur Geschichte der Ornamentik, unter Einbindung von afrikanischen Mustern oder orientalischen Ornamenten.

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»Der Blick, ich versuche sofort die Struktur zu bestimmen, wenn man ein gotisches Muster oder ein islamisches Fenster sieht: ist es eine 12-Teilung, ist es eine 16-Teilung… Mein Blick hat sich sehr verändert, automatisch sehe ich die Eckpunkte. Und der Trick zum Verstehen komplexer Muster ist die sich wiederholende Unit, welche gefunden werden muss. Dann ergibt sich das eigentliche Muster von selbst.« *

* Alle Zitate von Werner Van Hoeydonck

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