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Zeichenfabrik

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Skypeinterview - Art Deco aus Papier

Autor: Hoa Luo, Bild: Zlata Kalusová
Skypeinterview - Art Deco aus Papier

Unsere Dozentin Zlata Kalusová lebt und arbeitet in Brno. Wir haben uns über Skype vernetzt und mit ihr über die Schmuckherstellung mit Papier unterhalten.

Sensibility is beautiful

Zlata wurde 1978 in Brno geboren und studierte Malerei an der Universität Ostrava in der Meisterklasse von Prof. Daniel Balaban, sowie Bildende Kunst und Ästhetische Erziehung für Fachschulen und Gymnasien. Außerdem absolvierte sie die Kunstgewerbeschule für Schmuck-, Münzen-, und Banknotenherstellung in Jabolonec nah Nisou in Tschechien. Sie verbrachte Studienaufenthalte im Künstlerhaus Denkmalschmiede Hӧfen, sowie im Künstlerhaus Cuxhaven, Vermont Studio Center.

Zu Beginn der 90er Jahre, als die Stadt Brno sich zu einem Zentrum der Schmuckgestaltung entwickelte, zeigten viele Museen in Ausstellungen ihre Glassammlungen und widmeten sich den verschiedenen Techniken der Schmuckherstellung. Über diesen Weg kam Zlata zum ersten Mal in Berührung mit diesem Kunsthandwerk. Später lernte sie im Rahmen ihres Studiums verschiedene Fachleute kennen und konnte so ihr Wissen über das bloße Betrachten in den Museen hinaus vertiefen. Ihre Liebe zum Art Deco entdeckte Zlata durch das Studium an der Universität Ostrava während einer Vorlesung zur mitteleuropäischen Kunstgeschichte.

Zlata_Brosche

Das Papier hält

Zlatas Arbeit kreist intensiv um den Werkstoff und das Kulturprodukt Papier, welches in seinen Erscheinungsformen und Einsatzgebieten äußerst vielseitig ist. So unterschiedlich wie die Formen des Papiers sind, sind auch die Herstellung und historischen Verwendungszwecke dieses allseits bekannten Werkstoffes quer durch die unterschiedlichsten Kulturen. Es war ein langer und weiter Weg von den ersten, vor mehr als 2000 Jahren in China in mühsamer Handarbeit geschöpften Papierbögen bis hin zu den tonnenschweren Papierrollen, die heute von gigantischen Hochleistungsmaschinen produziert werden. Der Ansatz mit Papier umzugehen speist sich aus der Perspektive der zeitgenössischen Kunst. Zlata sieht Papier nicht als eine zweidimensionale Fläche, sondern als Material, das im Raum geformt werden kann. So wird für sie Papier zum Ausgangsmaterial für die Schmuckherstellung.

Es stellte sich nämlich heraus, dass Papier sich dafür hervorragend eignet: es ist leicht zu bearbeiten und lässt sich vielfältig transformieren. Aber nicht nur auf der handwerklichen Ebene besticht Papier durch seine Qualitäten. Dadurch, dass es von seiner Beschaffenheit her empfindlich und leicht ist, lassen sich mit Hilfe des Papiers künstlerische Aspekte deutlich hervorheben, wie zum Beispiel Materialkontraste, wenn Papier mit anderen Materialien kombiniert wird. Das innovative Arbeiten ist für Zlata hervorragend mit Papier verbunden, durch seine leichte Verfügbarkeit und Verformbarkeit ist man nicht angewiesen auf Muster. Mit dem Papier arbeiten heißt, sich auf einen Prozess der Findung zu begeben.

Art Deco, d.h. auch Muster, die durchaus auch mathematische Qualitäten haben, ist ein Stil, der sich über Jahre bewährt. Zlata hat durch das viele Zeichnen auch den logisch-abstrakten Zugang zum Art Deco erlernt, dennoch verformt sie es und begibt sich auf einen intuitiven Prozess. Intuitiv werden die Muster gefunden, logisch die Techniken beherrscht, um mit dem Papier richtig umzugehen.

Da Papier ein sehr fragiles, zartes Material ist, muss es auf eine Art und Weise behandelt werden, um haltbar gemacht werden zu können. Man kann es lackieren oder mit Naturwachs bearbeiten, wobei verschiedene Techniken kombiniert werden können. Zlatas Ziel ist es, nicht nur etwas Ästhetisches herzustellen, sondern etwas Tragbares. Die Konservierung des Stoffes mittels unterschiedlicher historischer Methoden ist daher ein wichtiger Teil ihrer Arbeit.

Der offene Dialog

Zlata sieht sich selbst als offene Künstlerin. Sie experimentiert mit Materialien und ist interessiert an deren geschichtlicher Herkunft und Verortung. Sie legt Wert auf den offenen Dialog mit den Kursteilnehmer/innen, aus dem heraus es möglich wird, schöpferisch zu sein. Es liegt ihr am Herzen, ihre Kenntnisse, die sie sich in langjähriger Erfahrung und Arbeit angeeignet hat, mitzuteilen und auf die individuellen Stärken und Schwächen der Kursteilnehmer/innen einzugehen. Um das zu ermöglichen, ist es ihr wichtig, eine offene und freundliche Arbeitsatmosphäre zu kultivieren, in der innovatives und kreatives Denken gedeihen kann. In Brno arbeitet Zlata mit lokalen Mittelschulen und Universitäten zusammen, in denen in Kooperation Schmuckkollektionen entstehen, die öffentlich präsentiert werden.

Transparente mit Silber

Die aktuelle Kollektion von Zlata dreht sich ganz um das Papier, seinen optischen Eindruck und die verschiedenen Erscheinungsformen, die es anzunehmen imstande ist. So kann es beispielsweise aussehen wie Metall, oder in Kombination mit transparentem Perlenpapier den Eindruck von Perlmutt erwecken. In ihrer Kollektion geht es Zlata stark um die traditionellen Muster und diese auf eine neue Art und Weise einzusetzen. Es stellt sich die Frage, wie sich das Alte ins Neue übersetzen lässt.

Zlata

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