Deine erste Vernissage: Was wirklich zählt
Du hast Werke. Du hast einen Blick, eine Handschrift, vielleicht schon eine kleine Serie. Irgendwann kommt der Moment, wo das Atelier zu klein wird – wo die Arbeit gesehen werden will. Eine Vernissage ist dieser Schritt: der erste öffentliche Auftritt als Künstler*in.
Wir begleiten an der Zeichenfabrik Menschen auf genau diesem Weg – vom ersten Strich bis zur eigenen Ausstellung. Was wir dabei gelernt haben, teilen wir hier.
1. Zeit ist das wichtigste Material
Wer zum ersten Mal ausstellt, unterschätzt fast immer den Zeitbedarf. Sechs Monate Vorlaufzeit sind für eine erste Vernissage keine Übertreibung – sie sind realistisch. In dieser Zeit entscheidest du nicht nur über Logistik, sondern auch darüber, welche Werke du zeigen willst, was sie gemeinsam sagen und wie du als Künstler*in in Erscheinung treten möchtest.
Plane Puffer ein: Locations sagen kurzfristig ab, Druckereien liefern zu spät, und manchmal braucht ein Bild länger als geplant. Wer früh beginnt, behält die Ruhe – und die Ruhe ist sichtbar, am Abend selbst.
Wichtig auch: Meide direkte Konkurrenz im Kalender. Feiertage, lange Wochenenden, große Stadtevents – all das bindet Aufmerksamkeit. Ein ruhiges Wochenende im März ist oft besser als ein überfülltes im Dezember.
2. Was willst du sagen?
Eine Vernissage ist keine Verkaufsveranstaltung – sie ist eine künstlerische Aussage. Bevor du eine Location buchst oder Einladungen verschickst, lohnt sich eine ehrliche Frage: Was verbindet die Werke, die du zeigen willst? Gibt es einen Gedanken, eine Stimmung, einen Konflikt, der sich durch sie zieht?
Dieser rote Faden muss nicht explizit ausformuliert werden – er soll spürbar sein. In der Auswahl der Werke, ihrer Anordnung, der Hängung, dem Rhythmus des Raums. Wer sich dabei unsicher ist, findet in unserem Online-Mentoring Kunst & Design einen Gesprächspartner: Manchmal hilft ein Außenblick, um das Eigene klarer zu sehen.
3. Der Raum spricht mit
Die Location ist kein neutrales Behältnis. Sie kommuniziert – bevor die erste Person ein Bild anschaut. Ein Kellergewölbe sagt etwas anderes als ein lichtdurchflutetes Loft, ein Café etwas anderes als eine Galerie.
Die gute Nachricht: Es muss keine teure Galerie sein. Viele Cafés, Buchhandlungen oder Kulturzentren in Wien freuen sich über kuratierte Ausstellungen und verlangen wenig oder nichts dafür. Entscheidend ist die Passung zum Werk – nicht die Quadratmeter oder der Mietpreis.
Wichtig: Räume, die zu groß für die erwartete Besucherzahl sind, wirken kalt. Zu kleine Räume lassen den Werken keinen Atem. Geh die Location zu einem ruhigen Zeitpunkt ab, stell dir vor, wie die Bilder hängen, wie sich die Menschen bewegen werden.
4. Der Abend selbst
Eine Vernissage lebt von Begegnung – zwischen Werk und Mensch, zwischen Künstler*in und Publikum. Das Programm darf diese Begegnung unterstützen, aber nicht ersetzen.
Was fast immer funktioniert: eine kurze, persönliche Eröffnung durch dich. Nicht als formelle Rede, sondern als Einladung. Warum diese Werke? Warum jetzt? Was hat dich bewegt? Wer das hört, schaut danach anders.
Musik, Licht und Catering sind keine Nebensächlichkeiten. Sie setzen den Ton – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Warmes Licht macht Bilder und Menschen gleichermaßen zugänglicher. Gute Musik im Hintergrund gibt dem Abend Rhythmus, ohne zu dominieren. Und wer beim Essen an Allergiker*innen denkt, sorgt dafür, dass sich alle willkommen fühlen.
Wenn du Werke verkaufst: Preise nicht auf Nachfrage nennen müssen. Kleine, diskrete Preisschilder oder ein ausliegender Katalog nehmen den Druck aus dem Gespräch – für dich und für die Gäste.
5. Die Details, die bleiben
Was Gäste einer Vernissage mit nach Hause nehmen, ist selten das große Konzept – es sind die kleinen Momente. Das Gespräch mit der Künstlerin über ein bestimmtes Bild. Die Postkarte, die auf dem Tisch lag. Der Satz, der in der Eröffnung fiel und nicht losgelassen hat.
Plane diese Momente bewusst: ein kleines Give-away, eine Einladung zum Weiterschauen, ein Hinweis auf den nächsten Schritt. Wer eine Vernissage besucht, ist offen – für Kunst, für Menschen, für das, was danach kommt.
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