Van Goghs Bilder werden lebendig - Loving Vincent

Und in der Tat können wir nicht anders, als durch unsere Gemälde zu sprechen.
Vincent van Gogh

Als Filmfans und Kooperationspartner des Filmladens freuen wir uns auf den Österreich-Start von Loving Vincent, dem ersten vollständig gemalten Spielfilm. Der Film erforscht das komplizierte Leben und den umstrittenen Tod Vincent van Goghs. Über sechs Jahre dauerte der Schaffensprozess von der Idee bis zur Realisierung: 125 speziell ausgebildete Künstler*innen malten insgesamt 65.000 Einzelbilder in Öl. Basierend auf akribischer Recherche und inspiriert von van Goghs Meisterwerken und 800 persönlichen Briefen lässt Loving Vincent den Zuschauer tief in die Welt des Künstlers eintauchen.


War es am Ende gar kein Selbstmord?

Ein Jahr nach dem Tod Vincent van Goghs taucht plötzlich ein Brief des Künstlers an dessen Bruder Theo auf. Der junge Armand Roulin erhält den Auftrag, den Brief auszuhändigen. Zunächst widerwillig macht er sich auf den Weg – doch je mehr er über Vincent erfährt, desto faszinierender erscheint ihm der Maler, der zeit seines Lebens auf Unverständnis und Ablehnung stieß. War es am Ende gar kein Selbstmord? Entschlossen begibt sich Armand auf die Suche nach der Wahrheit.

 

Die Animationstechnik

Obwohl es sich um einen Animationsfilm handelt, wurden alle Figuren in Loving Vincent von Schauspieler*innen dargestellt – entweder in Sets, die speziell nach den Gemälden van Goghs nachgebaut wurden, oder vor einem Green Screen. Die Dreharbeiten fanden in den Three Mills Studios in London und im CETA Studio in Breslau statt. Zur Filmcrew gehörten die Kameramänner Łukasz Żal (Oscar-nominiert für Ida) und Tristan Oliver (Der fantastische Mr. Fox, Chicken Run).

Filmstill Loving Vincent
Filmstill © Loving Vincent [bitte Caption prüfen]

Die Kunstform des Films unterscheidet sich sehr von der Malerei. Ein Gemälde ist ein bestimmter Moment in der Zeit, eingefroren – Film hingegen ist fließend, er bewegt sich durch Raum und Zeit. Das Team für das Gemälde-Design verbrachte vor und während der Dreharbeiten ein Jahr damit, van Goghs Gemälde für das Medium Film neu zu kreieren. Es gibt 94 Gemälde im Film, die in ihrer Form sehr nah am Original sind, und 31 weitere, die im Wesentlichen oder in Teilen mit den Originalen übereinstimmen.

Da van Goghs Gemälde unterschiedliche Größen und Formen haben, mussten die Gemälde-Designer einen Weg finden, diese Bilder im vorgegebenen Rahmen der Kinoleinwand darzustellen. Ein weiteres Problem waren sogenannte „Invasionen": wenn eine Figur, die in einem bestimmten Stil gemalt wurde, ein Gemälde mit einem anderen Malstil betrat. Manchmal war es auch nötig, die Tageszeit der Gemälde zu ändern oder Herbst- und Winterbilder als Sommerbilder zu kreieren.

Die für das Figurendesign verantwortlichen Malerinnen spezialisierten sich darauf, sowohl die Darstellerinnen als auch ihre berühmten Portraits neu zu erschaffen – so, dass die Gesichtszüge der Darsteller*innen erhalten blieben und gleichzeitig das unverkennbare Aussehen der Charaktere aus van Goghs Gemälden angenommen wurde. Dabei entstanden 377 Gemälde.

Im Anschluss nutzten die Gemälde-Animatoren das Referenzfilmmaterial, um den jeweils ersten Frame der Einstellung in dem vom Gemälde-Design vorgegebenen Stil auf einer 67 × 49 cm großen Leinwand zu übermalen. Dann animierten sie das Bild, indem sie Frame für Frame alle beweglichen Teile im Stil des vorherigen Bildes übermalten. Jeder einzelne Frame wurde mit einer Canon 6D in 6K aufgenommen.

Über zwei Jahre arbeiteten die Gemälde-Animatoren in den von BreakThru Films entworfenen Painting Animation Work Stations (PAWS) – in 97 Stationen in drei Studios in zwei Ländern. Jeweils zwölf hochauflösende Fotografien ergeben eine Sekunde Film. Als Ergebnis sieht der Zuschauer 65.000 hochauflösende Fotografien von echten Ölgemälden.

Filmstill Loving Vincent
Filmstill © Loving Vincent [bitte Caption prüfen]

Loving Vincent, Großbritannien/Polen 2017. Regie: Dorota Kobiela, Hugh Welchman. Länge: 95 Minuten. FSK ab 6 Jahren.


Trailer auf YouTube
Loving Vincent – offizielle Website
Filmladen Wien