Tusche ist unbarmherzig – und gerade deshalb so befreiend. Ein falscher Strich lässt sich nicht korrigieren, ein zu nasser Pinsel läuft aus, die Zeit drängt. Doch genau hier liegt ihre Faszination: In der Unmittelbarkeit, im Risiko, in der radikalen Einfachheit von Schwarz, Weiß und den Graustufen dazwischen.
Was dich erwartet
In diesem Workshop arbeitest du in kurzen, intensiven Intervallen mit dem Live-Modell. Mit Pinsel, Feder und Tusche erproben wir, wie aus einer Linie eine Fläche wird und wie sich die wesentliche Form der Figur einfangen lässt. Wir übersetzen die Eigenheiten der Tusche in konkrete gestalterische Übungen:
Reduktion auf das Wesentliche
Du erprobst, wie viel Körper, Volumen und Bewegung sich mit nur einem einzigen, gezielten Pinsel- oder Federschwung andeuten lassen.
Kontur und Lavierung
Wie entsteht räumliche Tiefe? Du untersuchst das Zusammenspiel von strengen, präzisen Konturen und weich fließenden, wasserverdünnten Tuscheflächen (Lavierung).
Präzision und Zufall
Tusche verhält sich oft unvorhersehbar. Wir nutzen diese Eigenschaft gezielt und lassen zu, dass unkontrollierbare Verläufe, Flecken oder Tropfen zu einem organischen Teil der Darstellung (als Schatten oder Muskelpartie) werden.
Die Kraft der Leere
Du lernst, Weißräume bewusst in deine Komposition einzubeziehen. Die unbezeichnete Fläche des Papiers wird hier genauso wichtig für die räumliche Wirkung wie der gesetzte Strich.