Ich hatte eben eine Steinplatte sauber abgeschliffen, um … darauf meine Übungen im Verkehrtschreiben fortzusetzen, als meine Mutter von mir einen Wäschzettel geschrieben haben wollte.
Ende August 1939 verließ die Mona Lisa den Louvre in einer samtgefütterten Kiste mit drei roten Punkten, der höchsten Dringlichkeitsstufe. Bis Kriegsende wechselte sie mindestens fünfmal das Versteck.
Quelle: Smithsonian Magazine, „How a little-known French region safeguarded the Louvre’s treasures during World War II“
Sparte · Illustration
Alle großen Leute sind einmal Kinder gewesen. (Aber wenige erinnern sich daran.)
Das älteste sicher datierte Höhlenbild zeigt kein Tier, sondern eine Hand: eine Schablone auf der indonesischen Insel Muna, Farbe rund um die aufgelegte Hand, mindestens 67.800 Jahre alt.
Quelle: Oktaviana, Aubert, Brumm u. a., „Rock art from at least 67,800 years ago in Sulawesi“, Nature 2026; Griffith University, „World's oldest rock art holds clues to early human migration to Australia“, 22.01.2026
Sparte · Interdisziplinär
Das Wort Merz bedeutet wesentlich die Zusammenfassung aller erdenklichen Materialien für künstlerische Zwecke.
Dürers „Feldhase“ von 1502 ist ein Aquarell und verblasst im Licht. Die Albertina rechnet darum seine Lichtstunden: In rund 150 Jahren war das Original kaum zehnmal ausgestellt.
Quelle: ORF, „250 Jahre Albertina: Wie Dürers Hase ins Museum kam“, 18.06.2026; epd/Sonntagsblatt, „Dürers Feldhase erst wieder 2028 im Original zu sehen“, 14.04.2025
Sparte · Druckgrafik
Bei der Radierung ist das Werkzeug die feinstmögliche Spitze – also soll die Fläche, die damit zu bedecken ist, entsprechend klein sein.
Ägyptisch Blau, das erste künstlich hergestellte Pigment, leuchtet unter rotem Licht im Infrarot. So ließ es sich auf den Parthenon-Skulpturen nachweisen: Die heute weißen Figuren waren bemalt.
Quelle: Harvard Art Museums, „Exciting Pigments“, 2014; Verri u. a., „The goddess' new clothes: the carving and polychromy of the Parthenon Sculptures“, Antiquity 97 (2023)
Sparte · Zeichnung
Notiere es mit kurzen Zeichen in einem kleinen Büchlein, das du immer bei dir tragen sollst.
Ich habe folgende erkenntnis gefunden und der welt geschenkt: evolution der kultur ist gleichbedeutend mit dem entfernen des ornamentes aus dem gebrauchsgegenstande.
Bis 1841 bewahrten Maler ihre Ölfarbe meist in Schweinsblasen auf. Erst die verschließbare Zinntube des Porträtmalers John Goffe Rand machte es bequem, mit Farben ins Freie zu gehen.
Quelle: Smithsonian Magazine, „Never Underestimate the Power of a Paint Tube“, 2013; History Today, „John Goffe Rand Invents Paint Tubes“
Sparte · Malerei
Man kann den Leichnam seines Vaters nicht überallhin mit sich herumtragen. Man lässt ihn in Gesellschaft der anderen Toten zurück.
Die Ölmalerei ist älter als Jan van Eyck: In buddhistischen Höhlen bei Bamiyan in Afghanistan malte man schon um 650 mit trocknenden Ölen, rund acht Jahrhunderte vor ihm.
Quelle: ESRF, „Synchrotron light unveils oil in ancient Buddhist paintings from Bamiyan“, 2008; Cotte u. a., „Applications of synchrotron-based micro-imaging techniques to the chemical analysis of ancient paintings“, J. Anal. At. Spectrom. 23 (2008)
Sparte · Illustration
Die Modernität, das ist das Vorübergehende, das Flüchtige, das Zufällige, die Hälfte der Kunst, deren andere Hälfte das Ewige und Unveränderliche ist.
2009 suchten Chemiker der Oregon State University nach Material für Elektronik. Aus dem Ofen kam YInMn-Blau, das erste neue anorganische Blaupigment seit rund 200 Jahren.
Quelle: Oregon State University, Department of Chemistry, „YInMn Blue“
Sparte · Interdisziplinär
Das Spiel dieser Zeit ist […] nicht Spielerei, es hat hohen Ernst und tiefe Bedeutung.
1797 ließ Napoleon Veroneses „Hochzeit zu Kana“ aus Venedig nach Paris bringen. 1815 blieb sie im Louvre, als zu groß für die Rückreise; Venedig erhielt dafür ein Gemälde von Charles Le Brun.
Quelle: Musée du Louvre, „Une star face à 132 personnages“; John Ruskin, „Guide to the Principal Pictures in the Academy of Fine Arts at Venice“, Library Edition Bd. 24, S. 180, Anm. 1
1715 sollte Rembrandts Nachtwache im Amsterdamer Rathaus zwischen zwei Türen hängen und war zu groß. Man beschnitt sie ringsum; links fehlen seither 64 Zentimeter mit zwei Schützen und einem Kind.
Quelle: Rijksmuseum Amsterdam, „For the first time in 300 years The Night Watch is complete again“, Pressemitteilung, 23.06.2021
Sparte · Zeichnung
Zusehen, wie der Tag anbricht, ist nützlicher, als die Pastoral-Symphonie zu hören.
1988 schüttete Hans-Joachim Bohlmann Schwefelsäure auf drei Dürer-Tafeln der Alten Pinakothek; die letzte war erst nach 21 Jahren wieder zu sehen. Dürers Selbstbildnis blieb heil, es hing hinter Glas.
Quelle: Martin Bailey, „Dürer’s ‚Virgin of the Sorrows‘ almost too terrible to show in Munich“, The Art Newspaper 1998; „Virgin unveiled after acid attack“, The Art Newspaper 2010; Kunstchronik 1998
Sparte · Malerei
Ich bin ein Maler, der Tag um Tag vom Morgen bis in den Abend malt.
Kaum ein Kunstwerk wurde so oft geraubt wie der Genter Altar, ganz oder in Teilen. Die Tafel der „Gerechten Richter“ fehlt seit 1934; an ihrer Stelle steht eine Kopie aus den Kriegsjahren.
Quelle: Noah Charney, „Lost art: chasing the elusive Ghent Altarpiece panel“, The Art Newspaper, 22.08.2018
Sparte · Illustration
Und was nützen Bücher, dachte Alice, ohne Bilder und Gespräche?
Nimm die kleine Skizze mit nach Hause und spiel mit ihr auf Papier, mit billigem Material, damit du dich nicht gehemmt fühlst, sondern fröhlich drauflos kleckst.
Leonardos Spiegelschrift war kein Geheimcode. Der Linkshänder schrieb von rechts nach links, wohl auch, damit die Hand die frische Tinte nicht verwischte.
Quelle: British Library, „The Codex Arundel: mapping the mind of a polymath“, Google Arts & Culture (zu Arundel MS 263)
Sparte · Interdisziplinär
Auch das Kunstwerk ist in erster Linie Genesis, niemals wird es als Produkt erlebt.
356 v. Chr. legte Herostratos Feuer im Artemis-Tempel von Ephesos, um berühmt zu werden; der Neubau zählte später zu den sieben Weltwundern. Ephesos verbot, seinen Namen zu nennen.
Quelle: Valerius Maximus, „Facta et dicta memorabilia“ 8,14 ext. 5; Gellius, „Noctes Atticae“ 2,6,18; Strabon, „Geographika“ 14,1,22
Sparte · Druckgrafik
Zum Spaß, mit irgendeinem Stück Holz, ohne Presse: ein Versuch im Holzschnitt.
Ab den 1860er-Jahren zeigte der Genter Altar Adam und Eva in Tierfellen: Der belgische Staat hatte 1861 die nackten Originaltafeln gekauft, Victor Lagye malte bekleidete Kopien.
Quelle: Visit Gent, „The naked truth about Adam and Eve“; Visit Gent, „The adventures of the Ghent Altarpiece“
Sparte · Zeichnung
Man muss immer zeichnen – mit den Augen zeichnen, wenn man nicht mit dem Stift zeichnen kann.
Am Anfang der Schreibtinte des Mittelalters stand eine Wespe: Ihre Eier lassen Eichenknospen zu Galläpfeln wuchern. Deren Gerbsäure ergab mit Eisensalz die Eisengallustinte.
Quelle: The National Archives (UK), „Galling ink! How The National Archives preserves millions of documents written in iron gall ink“, Blog, 2021; Amgueddfa Cymru, „Iron gall ink“
Sparte · Malerei
Im Künstler stecken zwei Menschen, der Dichter und der Handwerker. Zum Dichter wird man geboren, zum Handwerker wird man.
Die Bilder wurden mit derselben Feder und Tinte gezeichnet, mit der ich erst die Reime geschrieben hatte, alles unmittelbar und ohne schriftstellerische Absichtlichkeit.
2016 sicherte sich Anish Kapoors Studio das alleinige Recht, das Superschwarz Vantablack künstlerisch zu nutzen. Stuart Semple antwortete mit dem „pinkesten Pink“, erhältlich für alle außer Kapoor.
Quelle: Smithsonian Magazine, Smart News, „This Artist Is the Only Person Banned From Using the World’s Pinkest Pink“, 2016; Hyperallergic, 2016
Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen.
1771 wurde Duccios Maestà im Dom von Siena zerlegt; die doppelseitige Altartafel wurde in Vorder- und Rückseite zersägt. Einzelne Tafeln hängen heute in London, New York und Washington.
Quelle: National Gallery London, Duccio, „The Annunciation“, Werkseite
Sparte · Malerei
Die Arbeit hat mich nie ermüdet, und die Geduld hat mich nie verlassen.
Die alte Pummerin des Stephansdoms wurde 1711 zum Teil aus Kanonen gegossen, erbeutet bei der Türkenbelagerung 1683. Beim Dombrand 1945 stürzte sie ab; aus ihrem Metall entstand 1951 die neue.
Quelle: wien.ORF.at, „hdgö-Schau zu Stephansdom und Pummerin“, 10.04.2022; Austria-Forum, Österreich-Lexikon (AEIOU), „Pummerin“
Sparte · Zeichnung
Linien kann man spüren. Es gibt langsame Linien, schnelle, punktierte und heftige. Die Linie ist ein erzählerisches Ding – sie teilt mit, wie sie entstanden ist …
1990 stahlen zwei als Polizisten verkleidete Männer in 81 Minuten 13 Werke aus dem Gardner Museum in Boston. Die leeren Rahmen hängen bis heute: Die Stifterin hatte verfügt, nichts zu verändern.
Quelle: Holly Salmon, „The Five Frames Left Behind“, Isabella Stewart Gardner Museum, 2022; Isabella Stewart Gardner Museum, „Theft“
Sparte · Malerei
… dass sich am oder um den Dezember 1910 der menschliche Charakter veränderte.
Von 1912 bis 1948 vergaben die Olympischen Spiele auch Medaillen für Kunst. Der Schwimmer Alfréd Hajós gewann 1896 Gold im Wasser und 1924 Silber für einen Stadionentwurf.
Die Radierung kommt aus der Rüstkammer: Der Augsburger Daniel Hopfer verzierte Harnische durch Ätzen und übertrug das Verfahren um 1500 als einer der Ersten auf Druckplatten aus Eisen.
Quelle: Victoria and Albert Museum, Daniel Hopfer, „Death and the Devil Surprise Two Women“, Objekttext; British Museum, Biografie „Daniel Hopfer“
Sparte · Zeichnung
Die Zeichnung ist nicht die Form, sie ist die Art, die Form zu sehen.
Ikonen malte man meist mit Eitempera. Der Christus Pantokrator im Katharinenkloster am Sinai, eine der ältesten erhaltenen, entstand um 550 in Enkaustik: mit Pigmenten in heißem Wachs.
Quelle: Chatzidakis/Walters, „An Encaustic Icon of Christ at Sinai“, The Art Bulletin 49 (1967), Heft 3; Weitzmann, „The Monastery of Saint Catherine at Mount Sinai. The Icons“, Bd. 1, Princeton 1976
Sparte · Malerei
Es malt – kein Schieben und Drücken, alles ergibt sich. Das sind Glücksmomente.
Das Blau der „Großen Welle“ stammt aus Europa: Hokusai druckte mit Berliner Blau, einem künstlichen Pigment, das damals preiswert über China nach Japan kam.
Quelle: British Museum, Hokusai, „Under the Wave off Kanagawa“ (2008,3008.1), Sammlungseintrag; British Museum Blog, „Great Wave – spot the difference“
Sparte · Interdisziplinär
People say graffiti is ugly, irresponsible and childish … but that's only if it's done properly.
Um 1400 empfahl Cennino Cennini, Zeichentäfelchen mit Knochenasche zu grundieren: am besten aus Hühnerknochen, wie man sie unter dem Esstisch findet, gebrannt und fein gerieben.
Quelle: Cennino Cennini, „Il libro dell’arte“, Kap. VII (engl. Übers. D. V. Thompson, „The Craftsman’s Handbook“, 1933)
Sparte · Zeichnung
Das Plagiat ist notwendig. Der Fortschritt setzt es voraus.
Mondrians „New York City I“ hängt wohl seit Jahrzehnten verkehrt herum, wie 2022 in Düsseldorf auffiel. Gedreht wird es nicht: Die Klebebänder des Bildes würden der Schwerkraft nachgeben.
Quelle: CNN Style, „Piet Mondrian painting hung upside down for 75 years“, 2022; Hyperallergic, 2022
Im Krieg mit England fehlte Frankreich der Graphit. 1795 mischte Nicolas-Jacques Conté Graphitpulver mit Ton und brannte die Minen: je mehr Ton, desto härter. So entstanden die Härtegrade.
Quelle: Britannica (Students), „Pencil“; History of Information, „Nicolas Jacques Conté invents modern pencil lead“
Sparte · Interdisziplinär
Die einzige Entschuldigung dafür, ein nutzloses Ding zu machen, ist, dass man es zutiefst bewundert. Alle Kunst ist völlig nutzlos.
Preußischblau entstand um 1706 in Berlin aus einem misslungenen Rot: Verunreinigte Pottasche verwandelte einen Cochenille-Lack in tiefes Blau, das erste moderne künstliche Pigment.
Quelle: Alexander Kraft, „On the discovery and history of Prussian blue“, Bulletin for the History of Chemistry 33 (2008), S. 61–67
Sparte · Zeichnung
Zeichnen ist eine Art, auf dem Papier nachzudenken.
1961 hing Matisses Scherenschnitt „Le Bateau“ im Museum of Modern Art 47 Tage lang kopfüber. Einer Besucherin fiel es auf; im Katalog fand sie die Bestätigung.
Am 10. März 1914 zerschnitt die Suffragette Mary Richardson in der Londoner National Gallery Velázquez’ „Rokeby Venus“ mit einem Fleischerbeil, aus Protest gegen die Verhaftung von Emmeline Pankhurst.
Dürer hat das Tier seines berühmten Nashorn-Holzschnitts von 1515 nie gesehen. Er arbeitete nach einem Bericht aus Lissabon und prägte doch das Bild des Nashorns für Jahrhunderte.
Quelle: British Museum, Albrecht Dürer, „The Rhinoceros“, Holzschnitt 1515 (1895,0122.714), Kuratorenkommentar
Sparte · Zeichnung
Ich lerne sehen. Ich weiß nicht, woran es liegt, es geht alles tiefer in mich ein und bleibt nicht an der Stelle stehen, wo es sonst immer zu Ende war.
Dir fehlt wohl die Übung. Als ich so alt war wie du, tat ich das jeden Tag eine halbe Stunde lang. Manchmal habe ich vor dem Frühstück schon sechs unmögliche Dinge geglaubt.
Das Alexandermosaik aus Pompeji besteht aus rund zwei Millionen Steinchen. Ihr Gestein stammt vermutlich aus weiten Teilen des Mittelmeerraums, von Italien und Griechenland bis Spanien und Tunesien.
Quelle: Balassone u. a., „From tiny to immense: Geological spotlight on the Alexander Mosaic (National Archaeological Museum of Naples, Italy) using non-invasive in situ analyses“, PLOS ONE 20 (2025)
Sparte · Malerei
Die Farbe ist die Taste. Das Auge ist der Hammer. Die Seele ist das Klavier mit vielen Saiten.
Für den Gipsabguss von Michelangelos David ließ das Victoria and Albert Museum um 1857 ein Feigenblatt fertigen, das bei königlichen Besuchen an zwei Haken hing. Victorias Empörung ist nicht belegt.
Quelle: Victoria and Albert Museum, Sammlungseintrag „Fig Leaf for David“, D. Brucciani & Co., um 1857
Sparte · Interdisziplinär
Der Sitz der Seele ist da, wo sich Innenwelt und Außenwelt berühren.
Das älteste datierte gedruckte Buch ist eine chinesische Schriftrolle, die Diamant-Sutra vom 11. Mai 868. Gedruckt wurde sie von Holztafeln, eröffnet von einem Bild des Buddha.
Quelle: British Library, International Dunhuang Programme, „The Diamond Sutra“ (Or.8210/P.2)
Sparte · Zeichnung
Was ist Zeichnen? Ein Sich-Durcharbeiten durch eine unsichtbare eiserne Mauer, die zwischen dem zu stehen scheint, was man fühlt, und dem, was man kann.
In einer Küche in Compiègne hing ein kleines Tafelbild über dem Herd, gehalten für eine alte Ikone. 2019 wurde es als Werk Cimabues erkannt; heute gehört es dem Louvre.
Quelle: Susan Moore, „Acquisition of the Year“, Apollo Awards 2024, Apollo Magazine, 21.11.2024
Sparte · Malerei
Immer verlangt man, dass die Kunst verständlich sei, aber nie verlangt man von sich, den eigenen Kopf an das Verstehen anzupassen.
Graphit aus Borrowdale in Nordengland war so wertvoll, dass ein Gesetz von 1752 schon das unbefugte Betreten der Grube zum Verbrechen erklärte.
Quelle: Historic England, Listeneintrag „Borrowdale graphite mines and associated remains“ (Nr. 1019941); Jonathan Otley, „A Concise Description of the English Lakes“, 1823/1834, zum Gesetz 25 Geo. II c. 10
Sparte · Interdisziplinär
Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht.
In der Gemäldegalerie Karls VI. in der Wiener Stallburg hatten sich die Bilder der Wandtäfelung zu fügen: Manche wurden beschnitten oder in ihrer Form verändert, bis sie in die Felder passten.
Quelle: Die Welt der Habsburger (Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.), „Storffer’sches Bild-Inventar der kaiserlichen Sammlungen, um 1730“; Kunsthistorisches Museum Wien, „Geschichte der Gemäldegalerie“
Sparte · Zeichnung
Versäume keinen Tag, etwas zu zeichnen: Es wird nie so wenig sein, dass es nicht genug wäre, und es wird dir vortrefflich nützen.
Beim Arno-Hochwasser im November 1966 stand das Wasser in Santa Croce meterhoch. Cimabues Kruzifix verlor rund 60 Prozent seiner Malschicht und wurde zum Sinnbild der Florentiner Flut.
Quelle: Opera di Santa Croce, Werkkatalog, „Cimabue, Crucifix“
Sparte · Malerei
Gefühle haben einen Ort im Körper – sie haben eine Farbe, einen Puls und eine Geschwindigkeit. All das möchte ich malen.
Klimts Beethovenfries entstand 1902 für eine einzige Ausstellung der Secession und sollte danach zerstört werden. Ein Sammler ließ ihn 1903 in Teile zersägen und abnehmen und rettete ihn so.
Quelle: Wiener Secession, „Beethovenfries“; WienTourismus, „Beethovenfries von Gustav Klimt“
Sparte · Interdisziplinär
Interessant, dass beides im Wort Bedeutung steckt: die Bedeutung von etwas und Bedeutung für jemanden.
Nach dem Konzil von Trient galten die Nackten in Michelangelos Jüngstem Gericht als anstößig. 1564 übermalte Daniele da Volterra ihre Blößen; seither heißt er „Braghettone“, der Hosenmaler.
Der Louvre ist das Buch, in dem wir lesen lernen. Wir dürfen uns aber nicht damit begnügen, die schönen Formeln unserer berühmten Vorgänger festzuhalten.
Der Struwwelpeter war ein Weihnachtsgeschenk: 1844 fand der Frankfurter Arzt Heinrich Hoffmann kein Bilderbuch, das ihm für seinen dreijährigen Sohn taugte, und zeichnete selbst eines.
Quelle: Universität Heidelberg, Heidelberger Profile, „Psychiater, Schriftsteller (‚Struwwelpeter‘) Heinrich Hoffmann“; Goethe-Universität Frankfurt, Forschung Frankfurt 1/2009
Sparte · Interdisziplinär
Ein brüllendes Automobil … ist schöner als die Siegesgöttin von Samothrake.
Um 1400 bewertete Cennino Cennini die beste Sorte Ultramarin mit acht Dukaten je Unze. Das Blau aus afghanischem Lapislazuli war für ihn die vollkommenste aller Farben.
Quelle: Cennino Cennini, „Il libro dell’arte“, Kap. LXII (engl. Übers. D. V. Thompson, „The Craftsman’s Handbook“, 1933); National Gallery London, „Colour Stories: Blue“; Encyclopaedia Britannica, „Ducat“
Sparte · Interdisziplinär
Die Kunst spielt mit den letzten Dingen ein unwissend Spiel und erreicht sie doch!
Klimts Fakultätsbilder für die Universität Wien verbrannten 1945 und waren fast nur in Schwarzweiß überliefert. 2021 schlugen Belvedere und Google mit KI vor, welche Farben sie gehabt haben könnten.
Du wirst experimentieren und selbst Dinge ausprobieren müssen, und du wirst nicht sicher sein, was du tust. Das ist in Ordnung; du tastest dich in die Sache hinein.
1652 brach man in Mailand eine Tür in die Wand mit Leonardos Abendmahl; Jesu Füße gingen dabei verloren. Als 1943 eine Bombe das Refektorium traf, blieb die Bildwand stehen.
Quelle: Polo Museale della Lombardia, Museo del Cenacolo Vinciano, Museumsblatt, 2019; Lombardia Beni Culturali, Architektur-Datenblatt „Santa Maria delle Grazie“
Sparte · Malerei
Der Kampf scheint ungleich; aber in geistigen Dingen siegt nie die Zahl, sondern die Stärke der Ideen.
Mumienbraun hieß nicht nur so: Das Pigment enthielt gemahlene ägyptische Mumien. Ein Londoner Farbenhersteller nahm es erst 1964 aus dem Sortiment, weil ihm das Rohmaterial ausging.
Quelle: R. Leopoldina Torres, „A Pigment from the Depths“, Harvard Art Museums (Forbes Pigment Collection), 2013
Sparte · Malerei
Wenn etwas in dir selbst sagt: Du bist kein Maler – dann male erst recht, Junge, und auch diese Stimme wird still, aber nur dadurch.
1716 schenkte Preußen dem Zaren ein ganzes Zimmer aus Bernstein. 1941 bauten deutsche Truppen es ab und brachten es nach Königsberg; seit Kriegsende ist das Bernsteinzimmer verschollen.
Quelle: Gregor Delvaux de Fenffe, „Das Bernsteinzimmer“, Planet Wissen (WDR/SWR), 2020
Sparte · Malerei
Sie täten besser daran, meine Herren, die Klippen von Dieppe blau und rot anzumalen – die Natur ist wirklich nicht mehr modern genug.
Als der Bildersturm 1566 Gent erreichte, war der Genter Altar der Brüder van Eyck nicht mehr zu finden: Wächter hatten ihn zerlegt und Tafel für Tafel in den Turm der Kathedrale gebracht.
Quelle: Visit Gent (Stadt Gent), „The adventures of the Ghent Altarpiece“
Gewusst?
19. Jahrhundert · 1887
Van Gogh besaß rund 660 japanische Farbholzschnitte. Er kaufte sie, um damit zu handeln. Das Geschäft scheiterte, doch die klaren Umrisse und flächigen Farben prägten seine Malerei.
Quelle: Van Gogh Museum, „Japanese Prints. The Collection of Vincent van Gogh“, Pressemitteilung, 2018
Gewusst?
Gegenwart · 2001
Im März 2001 sprengten die Taliban die Buddhas von Bamiyan, 55 und 38 Meter hoch. Zwei Jahre später wurde das Tal Welterbe; die leeren Nischen gehören seither selbst zum Denkmal.
Quelle: UNESCO World Heritage Centre, „Commemorating 20 years since the destruction of two Buddhas of Bamiyan, Afghanistan“, 11.03.2021
Gewusst?
Nachkriegszeit · 1963
Rund 20.000 Jahre blieben die Bilder von Lascaux im Dunkeln erhalten. Nach der Öffnung 1948 kamen bis zu 1.800 Menschen am Tag; ihr Atem ließ Algen wachsen. 1963 wurde die Höhle geschlossen.
Quelle: Ministère de la Culture (DRAC Nouvelle-Aquitaine), „La grotte de Lascaux nous émerveille depuis 80 ans !“, 2020; Paillet/Vialou, „Lascaux – Conservation et sauvegarde“, Encyclopædia Universalis
Gewusst?
Moderne · 1909
Für 1,4 Gramm Purpur verarbeitete der Chemiker Paul Friedländer 1909 die Drüsen von rund 12.000 Meeresschnecken. So entschlüsselte er den Farbstoff, mit dem die Antike ihre Herrschergewänder färbte.
Quelle: Friedländer, „Über den Farbstoff des antiken Purpurs aus Murex brandaris“, Ber. Dtsch. Chem. Ges. 42 (1909); Cooksey, „Tyrian Purple: 6,6'-Dibromoindigo and Related Compounds“, Molecules 6 (2001)
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Renaissance · 1508–1512
Michelangelo malte die Sixtinische Decke nicht im Liegen, sondern stehend auf einem Gerüst, den Kopf im Nacken. So zeichnete er sich selbst, neben einem Sonett über die Qualen dieser Arbeit.
Quelle: The Metropolitan Museum of Art, „Sonnet ‚To Giovanni da Pistoia‘ and Caricature by Michelangelo on his Painting of the Sistine Ceiling“, 1508–12, Leihgabe Casa Buonarroti (Archivio Buonarroti XIII, fol. 111)
Gewusst?
19. Jahrhundert · 1865
Wilhelm Busch verkaufte „Max und Moritz“ 1865 für einmalig 1.000 Gulden an seinen Verleger. Am späteren Welterfolg verdiente er kaum mit: Erst 1902 schenkte ihm der Verlag 20.000 Mark.
Quelle: Deutsches Historisches Museum, Bibliothek, Vitrinenausstellung „Also lautet ein Beschluß, daß der Mensch was lernen muß …“, 2015/16
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Gegenwart · 2021
Vermeers Briefleserin in Dresden stand lange vor einer leeren Wand. Seit 2021 hängt dahinter wieder ein Bild mit Amor: Übermalt hatte es nicht Vermeer, sondern Jahrzehnte nach seinem Tod ein Fremder.
Quelle: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, „Ein Liebesgott taucht auf. Vermeers ‚Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster‘ vollständig restauriert“, Pressemitteilung, 24.08.2021
Gewusst?
Nachkriegszeit · 1985
1985 schüttete ein Mann in der Eremitage Säure auf Rembrandts „Danaë“ und verletzte sie mit einem Messer. Rund ein Viertel des Bildes war zerstört; nach zwölf Jahren Restaurierung hing es 1997 wieder.
Quelle: Associated Press, Bericht in The Spokesman-Review (Spokane), 14.10.1997
Gewusst?
Moderne · 1911
Als die Mona Lisa 1911 aus dem Louvre gestohlen wurde, kamen Scharen, um die leere Wand zu sehen. Der Diebstahl machte das Bildnis so populär wie nie zuvor; 1913 tauchte es in Florenz wieder auf.
Quelle: Smithsonian Magazine, „The Theft That Made the ‚Mona Lisa‘ a Masterpiece“, 2011; PBS, „Secrets of the Dead: Mona Lisa Mystery“
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19. Jahrhundert · 1828
Echtes Ultramarin aus Lapislazuli kostete 1828 bis zu 4.000 Francs je Kilo. Jean-Baptiste Guimet stellte das Blau künstlich her, für rund ein Zehntel des Preises.
Quelle: Matthew Buckingham, „The blue from beyond the sea“, Cabinet 10 (2003); WebExhibits, „History of Ultramarine“
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Gegenwart · 2003
2003 stahl ein Einbrecher Benvenuto Cellinis Saliera aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien. Gut zweieinhalb Jahre später fand man das goldene Salzfass vergraben in einem Wald bei Zwettl.
Quelle: wien.ORF.at, „Saliera wieder in der Kunstkammer“, 2013; vienna.at/APA, „Saliera-Diebstahl vor 10 Jahren“, 2013
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Nachkriegszeit · 1997
Beim Erdbeben von 1997 stürzte in der Oberkirche von Assisi das Gewölbe mit Cimabues Evangelist Matthäus ein; das Fresko zerfiel in rund 120.000 Bruchstücke. Seit 2025 soll KI sie ordnen helfen.
Quelle: James Imam, „AI helps to reconstruct Cimabue basilica masterpiece shattered by earthquakes“, The Art Newspaper, 26.12.2025; Il Giornale dell’Arte, 2025
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Moderne · 1924
1924 definierte André Breton den Surrealismus im Ton eines Wörterbuchs: als „reinen psychischen Automatismus“. Die Handschrift seines Manifests ist heute ein französischer Nationalschatz.
Quelle: Bibliothèque nationale de France, „1924, année surréaliste“, Chroniques 100 (2024); André Breton, „Manifeste du surréalisme“, Éditions du Sagittaire 1924 (BnF-Katalog)
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19. Jahrhundert · um 1831
Hokusais „Große Welle“ war kein Einzelstück, sondern Massenware: Von den Holzstöcken wurden über die Jahre wohl bis zu 8.000 Abzüge gedruckt.
Quelle: British Museum, Hokusai, „Under the Wave off Kanagawa“ (2008,3008.1), Kuratorenkommentar; Capucine Korenberg, „The making and evolution of Hokusai’s Great Wave“, 2020
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Gegenwart · 2018
2018 zerschnitt ein im Rahmen verborgener Schredder Banksys „Girl with Balloon“ direkt nach dem Zuschlag zur Hälfte. 2021 erzielte das Werk als „Love is in the Bin“ fast das Achtzehnfache.
Quelle: Sotheby’s, „Banksy’s ‚Love is in the Bin‘ Returns to Sotheby’s London“, Pressemitteilung 2021; Sotheby’s, Losseite „Love is in the Bin“, London 2021
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Nachkriegszeit · 1972
1972 schlug ein Mann mehr als ein Dutzend Mal mit dem Hammer auf Michelangelos Pietà ein. Die Splitter wurden mit Kunstharz geklebt, Lücken mit Marmorstaub gefüllt; seither schützt sie Panzerglas.
Quelle: Wanted in Rome, „The day Michelangelo’s Pietà was vandalised“; zur Restaurierung (Vatikanische Museen 1972): Gabrielli, „Michelangelo's Pietà: A collaborative restoration“, Edizioni Musei Vaticani 2014
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Moderne · 1912
1912 saß Egon Schiele 24 Tage in Haft und zeichnete in der Zelle weiter; 13 Blätter sind erhalten. Eine seiner Aktzeichnungen verbrannte der Richter in der Verhandlung.
Quelle: Albertina, Sammlungen online, Egon Schiele, „Gefangener!“, 1912; Rudolf Leopold, „Schiele, Egon“, Neue Deutsche Biographie 22 (2005)
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19. Jahrhundert · 1890
Van Gogh habe zu Lebzeiten nur ein einziges Bild verkauft, heißt es. Belegt sind mehrere Verkäufe, dazu Tauschgeschäfte, von denen seine Briefe erzählen.
Quelle: Martin Bailey, „Why did Van Gogh fail to sell his work?“, The Art Newspaper, 03.06.2022
Gewusst?
Gegenwart · 2010
Wolfgang Beltracchi fälschte jahrzehntelang Expressionisten. Überführt wurde er 2010 durch Titanweiß in einem angeblichen Campendonk von 1914, ein Pigment, das es damals so noch nicht gab.
Quelle: Encyclopaedia Britannica, „Wolfgang Beltracchi“; Blumenroth/Nieberle/Heydenreich (FH Köln), „Möglichkeiten und Grenzen kunsttechnologischer Untersuchungen: Heinrich Campendonks Gemälde im Kontext des Beltracchi-Fälschungsskandals“, 2014
Gewusst?
Nachkriegszeit · 1966
Nach dem Arno-Hochwasser 1966 kamen Freiwillige aus aller Welt nach Florenz, um Bücher und Bilder aus dem Schlamm zu retten. Allein die Nationalbibliothek zählte rund 1,3 Millionen beschädigte Stücke.
Quelle: Martin Bailey, „Remembering the ‚mud angels‘“, The Art Newspaper, 01.11.2016
Gewusst?
Moderne · 1945
1945 lagerten im Salzberg Altaussee Tausende Kunstwerke, viele davon geraubt. Der Gauleiter ließ Bomben einbringen, getarnt als Marmorkisten; Bergleute schafften sie in der Nacht zum 4. Mai hinaus.
Quelle: Angelika Hager, „Der Salzberg in Altaussee wird zum Hollywood-Thriller“, profil, 2013; Salzkammergut 2024, Pressetext „Verborgen im Fels. Der Berg, das Salz & die Kunst“, 2024
Gewusst?
19. Jahrhundert · um 1883
Nach Manets Tod wurde seine „Erschießung Maximilians“ zerschnitten und stückweise verkauft. Degas sammelte die Fragmente, die National Gallery fügte sie zusammen; der linke Teil mit dem Kaiser fehlt.
Quelle: National Gallery London, „Edouard Manet, The Execution of Maximilian“, um 1867–68, Werkseite
Gewusst?
Gegenwart · 2015
Malewitschs „Schwarzes Quadrat“ von 1915 gilt als Nullpunkt der Malerei. 2015 fand die Tretjakow-Galerie darunter zwei ältere, farbige Kompositionen, beide von Malewitsch selbst.
Beim „Cadavre exquis“ der Pariser Surrealisten schrieb oder zeichnete jede*r weiter, ohne das Vorige zu sehen. Den Namen gab der erste Satz: „Der köstliche Leichnam wird den neuen Wein trinken.“
Quelle: Tate, Art Term „Cadavre exquis (exquisite corpse)“
Gewusst?
19. Jahrhundert · 1856
1856 wollte der 18-jährige William Perkin künstliches Chinin gegen Malaria herstellen. Heraus kam Mauvein, der erste industriell vermarktete synthetische Farbstoff.
Quelle: Science History Institute, „William Henry Perkin“, Scientific Biographies