Zeichenkurs in der Zeichenfabrik Wien: Teilnehmerin zeichnet eine großformatige Szene, fotografiert von Pawel Mendrek.
Foto: Pawel Mendrek

Kann man zeichnen lernen? 5 Grundlagen-Tipps von unserer Expertin

Viel zu oft halten wir uns selbst von Dingen ab, weil wir an alten Glaubenssätzen festhalten: Die wichtigste Voraussetzung, um etwas zu lernen, sei Talent. Falsch. Zeichnen kann man lernen – in jedem Alter.

Was es dazu braucht, sind Anleitung und die richtige Herangehensweise. Wir haben mit unserer Dozentin Claudia Antonius gesprochen und die wichtigsten Tipps für Anfänger*innen und Fortgeschrittene zusammengefasst.


1. Die eigenen Vorlieben kennen

Die Grundlage liegt in dir selbst. Als erstes findest du heraus, was dir gefällt – was ist eine gute Zeichnung für dich? Das definiert, wo du später hin möchtest. Ist es das Perspektivische, das im Vordergrund steht? Gefallen dir Stillleben am besten? Ist eher Fläche spannend oder Volumen? Wer von Null auf mit dem Zeichnen beginnen möchte, macht sich im ersten Schritt Gedanken über die eigenen visuellen Vorlieben.

Tipp 1: Schauen

Im Museum, in der Galerie, auf der Straße: Beobachten, was dem Auge gefällt.
 

2. Austausch mit anderen

Im Prozess des Lernens ist es wichtig, sich mitzuteilen. Es reicht nicht aus, Bilder anderer nur zu studieren – der Austausch darüber, was gefällt und was anders sein könnte, bringt dich in Kontakt mit Menschen, die sich genauso für das Zeichnen und Malen interessieren wie du.

Wenn du im Freundes- und Bekanntenkreis niemanden hast, mit dem du dich austauschen kannst, findest du Ansprechpersonen in Führungen und Vermittlungsprogrammen von Museen, in Galerien und in Zeichen- und Malkursen. Man kann nur voneinander lernen.

Tipp 2: Über Kunst sprechen

Finde Worte für das, was gefällt. Was über die Worte hinausgeht, ist das gemeinsame Staunen.
 

3. Dem Auge vertrauen

Wer zeichnen lernen will, muss dem Auge vertrauen. Zu oft schaltet sich das Gehirn ein und vervollständigt das Gesehene im Kopf – beim Zeichnen ist das kontraproduktiv. Um das Gesehene möglichst unverfälscht aufs Papier zu bringen, folgt die Aufmerksamkeit nur mehr dem Blick. Die Finger setzen um, was das Auge sieht – direkt und ohne Einmischung von oben. So entstehen ehrliche Bilder.

Tipp 3: Den Kopf ausschalten

Versuche, die Bewegung zwischen Hand und Auge zu koordinieren – ohne dass das Hirn dazwischenfunkt. Das ist Übungs- und Konzentrationssache.
 

4. Ausbruch aus der Routine

Wann hast du das letzte Mal mit unterschiedlichen Bleistiftstärken gespielt? Wann zuletzt mit Graphit und Kohle gearbeitet? Durch Wiederholung wird man zwar besser, verliert aber auch den Schwung des Neuen. Hin und wieder über den Tellerrand hinauszuschauen, kann die eigene Zeichentechnik beleben. Das gilt für Anfänger*innen genauso wie für Fortgeschrittene.

Tipp 4: Neues ausprobieren

Wann immer sich die Gelegenheit bietet, etwas anders als sonst zu machen: sei dabei.
 

5. Mut zum Zauber

Wer schon länger zeichnet, kennt vielleicht das Problem: Manchen Zeichnungen fehlt, obwohl sie gut gemacht sind, das gewisse Etwas. Die Zeichnung ist genau so geworden, wie man sich das vorgestellt hat – und genau darin liegt vielleicht der Fehler. Der künstlerische Prozess setzt dann ein, wenn aus der Summe der Teile mehr wird als erwartet. Planung und Ausführung ist Technik. Die Bewegung, die Intuition, die Überraschung dagegen – das ist die Magie, die entsteht, wenn man sich auf die Möglichkeit des Scheiterns einlässt.

Tipp 5: Kill your stars

Wenn du gut bist und noch besser werden willst, such erneut den Mut des Scheiterns. Lass dich auf den Prozess ein, der zwischen dir und dem Material entsteht.

Letztlich geht es darum, den Punkt zu finden, der Spaß macht. Talent war gestern. Heute lernen wir, was uns interessiert und begeistert – und scheitern mit Freude.

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