Realistische Haare zeichnen in 8 Schritten

Viele Kreative haben Schwierigkeiten damit, ihren Portraitzeichnungen eine überzeugende Frisur zu geben. Hier erfährst du, wie du in 8 Schritten realistische Haare zeichnen kannst – am Beispiel einer Langhaarfrisur.

Mein Name ist Sabrina Hassler, Illustratorin und Künstlerin aus Salzburg. Meine große Leidenschaft ist das Zeichnen – liebste Motive sind Menschen, Tiere und Pflanzen. Durch jahrelanges Üben habe ich mir viele Techniken und Tricks angeeignet, die ich gerne weitergebe. Auf meinem Blog findest du weitere Anleitungen, auf meiner Website einen Einblick in meine Illustrationsarbeit.

Benötigte Zeit: ca. 45 Minuten


Materialien

  • Bleistifte (H–4B)
  • Schwarzer Buntstift
  • Radiergummi und Radierstift
  • Papierwischer (auch Estompe)
  • Zeichenpapier
 

Vorbereitungen

Drucke dein Referenzfoto mehrmals aus – einmal normal auf Druckerpapier (am besten in Graustufen), dazu eine hellere und eine dunklere Kopie. Auf der helleren siehst du dunkle Stellen mit mehr Details, auf der dunkleren treten die Highlights besser hervor. Das hilft dir, eine kontrastreiche Zeichnung zu erstellen. Solche Helligkeitsanpassungen kannst du mit jedem gängigen Bildbearbeitungsprogramm vornehmen. Außerdem brauchst du eine extra Kopie, um Hilfslinien einzuzeichnen.

Verschiedene Kopien
Verschiedene Kopien, Foto: Referenzfoto auf Instagram
 

1. Umrisse zeichnen

Zeichne vorsichtig die Umrisse von Kopf, Hals und Haaren auf deinem Zeichenpapier ein. Verwende dafür einen eher harten Bleistift (H oder HB) und drücke nicht zu fest an – am Anfang müssen Fehler noch leicht korrigierbar sein. Falls dir die Proportionen schwerfallen, versuche das Motiv in einfache Formen zu zerlegen (Kreise, Rechtecke) oder zeichne Hilfslinien ein, zum Beispiel entlang der Mittelachse des Gesichts.

Umrisse zeichnen
Schritt 1: Umrisse zeichnen
 

2. Analysieren

Nimm deine Extra-Kopie des Referenzfotos und versuche, in den Haaren abstrakte Formen zu erkennen. Zeichne diese mit einem gut sichtbaren Stift ein. Hast du die Frisur in Formen eingeteilt, übertrage diese auf deine Skizze – ohne dabei fest anzudrücken.

Referenzfoto mit farbig hervorgehobenen Haarsträhnen
Referenzfoto mit farbig hervorgehobenen Haarsträhnen
Skizze
Schritt 2: Skizze mit abstrakten Formen
 

3. Schattieren

Nimm einen weicheren Bleistift (B oder 2B) und schattiere die dunkelsten Stellen – meistens rund um den Hals und am Scheitel. Wirf einen Blick auf deine hellere Kopie und schau genau, wo das Bild am dunkelsten ist: dort fällt am wenigsten Licht hin.

Schattierung
Schritt 3: Schattierung
 

4. Form geben

Schattiere nun jede Strähne einzeln. Achte darauf, dass deine Striche in dieselbe Richtung verlaufen wie die Haare, und lasse helle Stellen so gut wie möglich aus. Durch die Unterteilung in Formen kannst du dich Stück für Stück über den ganzen Kopf arbeiten.

Form geben
Schritt 4: Form geben
Strähne zeichnen
Schritt 4 (Detail): Eine Strähne

Zeichne deine Linien immer von außen nach innen, sodass sie nach innen weich auslaufen. In der Mitte der Strähne glänzen die Haare meistens, weil dieser Teil am weitesten herausragt und das meiste Licht auffängt – spare diesen Bereich also aus. Je mehr Striche du von außen nach innen zeichnest, desto dunkler werden die Ausläufer und desto plastischer wirkt die Strähne. Dein Fokus sollte dabei immer auf der Form liegen, nicht auf dem einzelnen Haar.

Hinweis: Fällt dir das Schattieren schwer? Im Kurs Menschen zeichnen lernen zeigen wir dir live, wie du Licht und Schatten richtig setzt.

 

5. Weiche Übergänge

Dieser Schritt ist eine Empfehlung, kein Muss. Mit einem Papierwischer oder Wattestäbchen fährst du vorsichtig über die Schattierungen und lässt dich von der Wuchsrichtung der Haare leiten. Helle Stellen sparst du aus. Kleine Verschmierungen korrigierst du im nächsten Schritt.

Weiche Übergänge
Schritt 5: Weiche Übergänge
 

6. Highlights

Nimm deinen Radierstift (oder einen spitz geformten Knetradiergummi) und radiere die Glanzstellen heraus – also die Stellen, die das Licht am stärksten reflektieren. Deine dunklere Kopie hilft dir dabei, diese hellen Stellen gut zu erkennen. Ein Radierstift eignet sich perfekt, weil du damit sehr präzise arbeiten und sogar einzelne Haare ausradieren kannst.

Highlights
Schritt 6: Highlights
 

7. Kontrast

Nimm einen schwarzen Buntstift (deckender und weniger glänzend als Bleistift) und verdunkle die dunkelsten Stellen nochmals. Das erhöht den Kontrast und lässt die Zeichnung noch realistischer wirken.

Kontrast
Schritt 7: Kontrast
 

8. Details

Der letzte Schritt macht den entscheidenden Unterschied. Investiere noch etwas Zeit in Details: kleine Haare, die nicht in die gewohnte Richtung verlaufen, fliegende Haare außen am Kopf oder über dem Gesicht, Haarspitzen und alle kleinen Ausreißer, die die Frisur „echt" wirken lassen. Einzelne fliegende Haare zeichnest du mit einem harten Bleistift ein – sie sind meistens sehr dünn. Um einzelne Haare über größeren dunklen Flächen hervorzuheben, eignet sich der Radierstift. Vermeide hart auslaufende Spitzen, indem du den Druck am Ende verringerst.

Schau dir dein Referenzfoto noch einmal genau an und entscheide selbst, welche Details die Frisur einzigartig machen.

Fertige Zeichnung
Schritt 8: Details
Tipp: Details einzeichnen
Schritt 8, Tipp: Details einzeichnen

Ich hoffe, dass dir das Haare zeichnen mit diesen Tipps besser gelingt und mehr Spaß macht. Ganz nebenbei übst du dabei das Schattieren, das Zeichnen von Texturen und deine Fähigkeit, komplexe Motive zu analysieren. Hast du das Grundprinzip verstanden, kannst du auch Fell oder ganz eigene Frisuren zeichnen. Ich freue mich, von deinen Erfahrungen zu hören – hier kannst du mich kontaktieren.