Porträts

Zum Tee bei Miriam K. Trilety

Miriam K. Trilety ist Künstlerin, Philosophin und systemische Psychotherapeutin. Ein Besuch in ihrem Studio – über narrative Bilder und die Logik der Schmutzwäsche.

01.03.2017·4 Min.
Zum Tee bei Miriam K. Trilety
Miriam Trilety
Im Porträt
Miriam Trilety

2017 waren wir zu Gast bei Miriam K. Trilety in ihrem Studio – einer Mischung aus Galerie, Bücherei und Praxis. Am Eingang hängen grafische Arbeiten. Die Wienerin mischt Kunstkataloge, psychologische und philosophische Bücher in einem feinen Arrangement. Ihr subtiler Ansatz der Erweiterung und Verknüpfung von assoziativen und analytischen Denkwegen spiegelt sich in ihrem Studio wider. Miriam begrüßt uns herzlich und fragt gleich nach Tee oder Kaffee. Bei Tee sprechen wir über ihre Arbeit als freie Künstlerin und Philosophin und sehen ihre Arbeiten durch.

Der Blick in einen verschlungenen Hinterhof

In ihrem Studio arbeitet Miriam an neuen Wegen, Grafiken und Illustrationen, um Inhalt und Form auch metaphorisch-sprachlich zu verbinden. So entstehen verschlungene und vernetzte Gedanken über die Kombination von freien assoziativen Bildern. Das Wort malt ein Bild. Daneben bietet Miriam auch Coaching und Supervision an und arbeitet als systemische Psychotherapeutin in Wien.

Miriam K. Trilety, Illustration

Der Fluchtpunkt stellt in der Metapher über ihre Arbeit einen Fokus dar, auf den sie sich konzentriert. Daraus entstehen Fluchtlinien. Ihre Arbeitsweise ist frei und spontan – wie auch die Philosophie –, zugleich aber analytisch und klar. Es sind diese beiden Anteile, die miteinander kommunizieren und durch die formale Trennung ihrer Aspekte dennoch auch im künstlerischen Ausdruck deutlich werden.

Der Kurs als Projekt

Als Dozentin an der Zeichenfabrik bearbeitete Miriam in ihren Kursen vor allem die Frage nach der Visualisierung von Alltagsphänomenen und deren narrativer Bildgestaltung.

Anders als in den Basiskursen verstand sie den Kurs als Projekt: Die Teilnehmer*innen konnten Materialien aus verschiedenen Techniken ausprobieren und in Ruhe, zu geregelten Zeiten arbeiten – ohne dem Alltag zu entfliehen, sondern um ihn achtsam zu beobachten und zu visualisieren. Der Kurs führte in die Illustration ein und ließ Zeit für ein eigenes Projekt, das den Alltag erzählerisch umsetzt. So lernte man, sich selbst im Alltag zu beobachten und die Abläufe täglicher Handlungen zu erkennen.

Miriams Kurs war keine Vorlesung; im Mittelpunkt stand, was gemeinsam an Bildern entstand. Das freie Assoziieren in passendem Setting ist eine der Grundlagen ihrer Vermittlungsarbeit. Im Zentrum blieb dabei der Raum als Studio, in welchem man sich der kreativen Entwicklung widmete und Alltagserfahrungen in das künstlerische Schaffen einfließen ließ. Die Ideen, die daraus entstanden, waren genauso zentral wie die Gespräche der Teilnehmer*innen untereinander. Daraus entwickelte Miriam Aufgaben und Übungen, die das kreative Potenzial der Teilnehmer*innen anregen sollten. In dynamischen Gruppenarbeiten konnten sich diese näherkommen, wodurch Unsicherheiten oder Blockaden überwunden wurden.

Das Narrative im Alltag ist in erster Linie auch Konzeptarbeit. Wie setze ich mich mit mir selbst auseinander? Wie ist mein Umgang, wie achtsam beobachte ich, was sich in meinem Alltag ereignet? Genau das ist die Herausforderung, der sich Miriam stellt, wenn es darum geht, Philosophie und künstlerisches, illustratorisches Gestalten zu koppeln. Ihr Geheimnis ist es, genau zu beobachten und zu differenzieren, welche konkreten Fragen gestellt werden müssen, um die Eigenmotivation einzelner Teilnehmer*innen herauszukitzeln – und schließlich den formalen um den philosophischen Blick zu erweitern.

Das eigene narrative Bild

Miriam ist an unterschiedlichen Orten zu Hause. Im Verein Akut bringt sie sich mit ihren grafischen Arbeiten ein, wobei ihr auch Logos, Corporate Design und Branding vertraut sind.

Sie beschreibt sich selbst als Konglomerat verschiedener Anteile oder Synergien, die sich manchmal mischen, manchmal konträr zueinander stehen. Dabei steht für Miriam das Assoziative im Vordergrund – die Verknüpfung verschiedener Phänomene ihrer Beobachtung, die gleichzeitig auch einer philosophischen Haltung entspringen.

Arbeitstisch im Studio von Miriam K. Trilety
Bestimmt kommen auch meine biografischen Einflüsse zum Vorschein, wenn ich gestalte. Biografie bedeutet etymologisch betrachtet ja nichts anderes als Lebensschrift oder gezeichnetes Leben, was viel Spekulation darüber zulässt, wie sich ein solches Leben abzeichnen oder auszeichnen wird. Dann gibt's da noch diesen analytischen Teil in mir, der sehr ironisch und reflektiert ist und sich um eine Art philosophische Grundstimmung erweitert. Was mir dabei hilft, diese Stimmung zu orten und zu manifestieren, kommt aus der Beobachtung, zum Beispiel die abstrakte Beziehung. Ich bin so etwas wie eine verspielte Linie, etwas Bewegtes, aufgespannte Punkte quasi, die sich anfüllen und auffüllen, wie eine gespannte Wäscheleine, auf der sich und durch die sich als reduzierter Strich Mögliches verdichtet, ansammelt, Raum gewährt und sichtbar macht. So kann aus meiner Sicht überhaupt erst so etwas wie die Logik einer Fläche entstehen, oder die Logik der Schmutzwäsche, oder der weißen Weste. Und der ästhetische Blick, wie der Blick auf den Raum ist eben ein Blick auf das Verhältnis der Dinge, das diesen Raum erst bedingt und so Inhalte erzeugt, die wir dann flächendeckend vertreten können, wie zum Beispiel die ganz alltägliche Frage, wer denn nun heute für das Abnehmen der Wäsche von der Wäscheleine zuständig sei. Solche Erzählungen lassen sich wunderbar als Bildgeschichten imaginieren, da sie einen ganz fundamentalen Ausdruck für unsere Beziehung zum Leben darstellen.
Miriam K. Trilety
Bücher im Studio von Miriam K. Trilety

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