Handwerk

Chiaroscuro: Licht und Schatten in der Malerei

Was Chiaroscuro ist, wie das Helldunkel die Barockmalerei prägte – und fünf Schlüsselwerke von Caravaggio bis de La Tour.

05.02.2019·2 Min.
Chiaroscuro: Licht und Schatten in der Malerei
Rembrandt van Rijn, Selbstbildnis, um 1628, Öl auf Holz, 22,6 × 18,7 cm, Rijksmuseum

Chiaroscuro (ital. „hell-dunkel“) ist eine Gestaltungstechnik der Malerei, die mit starken Kontrasten zwischen Licht und Schatten Körper modelliert und räumliche Tiefe erzeugt. Diese Lichtregie steigert zugleich die dramatische Wirkung eines Bildes.

Seine höchste Ausdrucksform fand das Chiaroscuro in der Malerei des Barock. Maler wie Caravaggio oder Rembrandt bauten ihre Kompositionen um die Beleuchtung herum: Wo eine Figur steht und wie viel von ihr zu sehen ist, entscheidet das Licht. Die harten Kontraste fügen sich in die Theatralik des Barock – und setzen sich ab von den klar geordneten Kompositionen der Frührenaissance und von der weichen Sfumato-Technik, bei der das Licht gleichmäßig verteilt ist und Konturen verschwimmen.

Chiaroscuro ist eines der wichtigsten Mittel, um auf der Fläche Tiefe zu erzeugen: Schon die Verteilung von Hell und Dunkel kann Volumen, Raum und Stimmung einer Szene tragen. Deshalb gehört seine Beherrschung zu den Grundlagen gegenständlichen Malens und Zeichnens.

Meisterwerke des Chiaroscuro: Fünf Schlüsselwerke und ihre Lichtdramaturgie

Wie die Technik wirkt, zeigt ein Blick auf einige der berühmtesten Werke. Schon Tizian setzte sie in der Spätrenaissance meisterhaft ein, perfektioniert haben sie die Maler des Barock:

Caravaggio: Die Berufung des heiligen Matthäus (1599–1600)
Ein Lichtstrahl durchschneidet die düstere Zollstube wie ein göttlicher Fingerzeig. Caravaggios radikale Gegenüberstellung von Finsternis und gleißendem Licht (Tenebrismus) macht Matthäus' Zögern greifbar – und setzte einen neuen Maßstab für religiöse Malerei.

Tizian: Die Dornenkrönung (1542–1543)
Tizians Werk zeigt bereits eine barocke Lichtführung, bleibt aber den weichen Übergängen verhaftet. Das seitlich einfallende Licht modelliert die Körper und unterstreicht die Grausamkeit der Szene, ohne in extreme Kontraste zu verfallen – ein Brückenschlag zwischen Renaissance-Harmonie und barocker Dramatik.

Rembrandt: Die Nachtwache (1642)
Eigentlich ein Tagesbild: Den Namen „Nachtwache“ bekam das Gemälde erst 1781, als nachgedunkelter Firnis und Schmutz es verdüstert hatten. Rembrandts Lichtregie lenkt den Blick entlang der Hierarchie – vom strahlenden Hauptmann bis zu den fast verschluckten Figuren im Hintergrund. Ein Meisterwerk der visuellen Erzählkunst.

Velázquez: Der Wasserverkäufer von Sevilla (1618–1622)
Hier wird Chiaroscuro zum Werkzeug der Stofflichkeit: Das Licht lässt Tonkrüge matt schimmern, Glas durchscheinend wirken und die Hände des Jungen plastisch hervortreten. Velázquez' frühes Werk zeigt, wie Alltagsszenen durch gezielte Beleuchtung monumentale Würde erhalten.

Georges de La Tour: Der Falschspieler mit dem Karo-Ass (um 1635)
Vor undurchdringlich dunklem Grund inszeniert de La Tour eine moralische Falle. Das Licht hebt die Spielenden hervor und lenkt den Blick auf das stumme Spiel der Augen und Hände – bis zum Karo-Ass, das der Falschspieler hinter dem Rücken hervorzieht. Ein Bild über Täuschung. In seinen späteren Nachtstücken, die oft nur eine einzige Kerze erhellt, ist sein Tenebrismus noch radikaler als Caravaggios, aber ohne dessen theatralische Geste.

Zu den konsequentesten Tenebristen in Caravaggios Nachfolge gehört Jusepe de Ribera, ein Spanier, der in Neapel arbeitete. In seinem „Heiligen Andreas“ (um 1631) tritt der ausgezehrte Körper des Apostels aus fast schwarzem Grund: Das Licht fällt hart auf Stirn, Brust und Arm, das Kreuz dahinter bleibt im Halbdunkel.

Jusepe de Ribera, „Der heilige Andreas“, um 1631, Öl auf Leinwand, 123 × 95 cm, Museo del Prado, Madrid

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