Interdisziplinär

Artistic Research

Das Atelier als Labor: die eigene künstlerische Praxis beobachten, befragen und weiterentwickeln.

Dozent*in

Bettina Schülke

Umfang

7 Kurstage · 21 h

Ort

Flachgasse 35-37/4-5, 1150 Wien

Bettina Schülke · In the Blink of an Eye · Foto: Marko Junttila · © Bildrecht, Wien 2026 Bettina Schülke · In the Blink of an Eye · Foto: Marko Junttila · © Bildrecht, Wien 2026

Worum es geht

Welche Regeln befolgst du beim künstlerischen Arbeiten, ohne es zu merken? Mit solchen Fragen beginnt künstlerische Forschung – „research through art", wie Christopher Frayling sie nannte: Erkenntnis nicht über, sondern durch die Kunst.

In diesem Kurs mit Dr. Bettina Schülke wird das Atelier zum Labor:

  • Wahrnehmen: Wie arbeite ich? Du beobachtest dich bei einer vertrauten Handlung und hältst im Prozess-Journal fest, was du tust, wo du zögerst, was automatisch passiert. Dann änderst du eine Gewohnheit: Wer in der Mitte beginnt, beginnt am Rand. Wer vieles korrigiert, lässt alles stehen.
  • Experimentieren: Was geschieht, wenn ich meine Arbeitsbedingungen verändere? Aus einer Beobachtung wird eine Frage, aus der Frage eine Versuchsanordnung. Du arbeitest in Serien, in denen sich jeweils eine Bedingung ändert, und überträgst das Prinzip deiner Arbeit in ein anderes Medium.
  • Verdichten: Was habe ich erfahren? Du betrachtest deine Versuche wie das Material einer fremden Person und suchst nach Wiederholungen, Abweichungen, Überraschungen. Dann der Blick nach außen: Wann wird meine Frage für andere interessant? Durch Recherche und Mapping entsteht eine Forschungslandkarte als Orientierung für deine nächsten Schritte.

Zwischen den Terminen erprobst du das Erarbeitete in deiner eigenen Praxis. Was du mitnimmst, ist kein fertiges Werk, sondern eine Methode, die über den Kurs hinaus wirkt. Begleitet wird die Praxis von Impulsen zur Geschichte und zu den Methoden künstlerischer Forschung – Theorie und Praxis treten so in einen wechselseitigen Dialog.

Der Kurs richtet sich an Menschen mit eigener künstlerischer Praxis, gleich in welchem Medium. Deine Arbeiten und Fragen sind das Material.

Das lernst du

  • Die eigene Arbeitsweise von außen sehen: Automatismen, Muster und blinde Flecken erkennen
  • Aus Irritation, Neugier oder Scheitern eine tragfähige Forschungsfrage formulieren
  • Ein Überblick über Positionen künstlerischer Forschung, darunter Sol LeWitt, VALIE EXPORT und Annette Arlander
  • Sicherheit gewinnen, über den eigenen Prozess zu sprechen – im Diskurs mit der Gruppe

Termine

Material & Ausrüstung

Mitzubringen

Zum ersten Termins sind Papier und einfache Schreib- und Zeichenwerkzeuge für Skizzen, Notizen und die ersten Experimente ausreichend. Für die vertiefende Arbeit der übrigen Termine bitten wir dich, deine bevorzugten Arbeitsmaterialien (Stifte, Acryl, Gouache, Ton, Tablet etc.) sowie ein Skizzenbuch für das Prozess-Journal mitzubringen. Wähle das Material, mit dem du dich aktuell am wohlsten fühlst.

Stimme aus dem Kurs

Künstlerische Forschung bedeutet für mich, den eigenen Prozess nicht als gegeben hinzunehmen, sondern ihn als offenen Raum zu begreifen. In diesem Workshop geht es nicht um akademischen Zwang, sondern um die Freiheit, durch methodisches Hinterfragen zu neuen künstlerischen Lösungen zu gelangen.
Dr. Bettina Schülke · Kursleiterin

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